Populismus, Euroskeptizismus und Einstellungen zur Außenpolitik

 

Inhalt

Euroskeptizisimus ist ein fast schon klassisches Thema der Politischen Soziologie, das durch den Aufstieg populistischer Parteien und die kleineren und größeren Krisen der europäischen Integration in den letzten zehn Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat. Im Seminar beschäftigen wir uns allgemein mit der Bedeutung außenpolitischer Einstellungen für die praktische Politik und lesen gemeinsam klassische und aktuelle Artikel zu den Themen Populismus und Euroskeptizismus. Zudem werden wir uns mit ausgewählten Kapiteln aus der gerade erschienenen Monographie von Catherine De Vries auseinandersetzen.

Ziele

Am Ende des Seminars …

  • Haben Sie einen Überblick über ein dynamisches Forschungsfeld
  • Sind Sie in der Lage, die aktuellen politischen Diskussionen wissenschaftlich einzuordnen

Seminarplan

Folien zur ersten Stunde

Folien zur Sitzung 14 (de Vries Kapitel 6+7)

Ablauf

Hidden content

DatumThemaPflichtlektüre
17.10.2018Einführung
24.10.2018Struktur außenpolitischer EinstellungenGravelle, Reifler, and Scotto 2017
31.10.2018Persönlichkeit und außenpolitische EinstellungenRathbun et al. 2016
07.11.2018EU support und persönlicher NutzenGabel 1998
14.11.2018EU support und cultural threatMcLaren 2002
21.11.2018Maastricht als WendepunktEichenberg and Dalton 2007
28.11.2018Nationalismus, Euroskeptizismus und WahlentscheidungLubbers and Coenders 2017
05.12.2018Euroskeptizismus und die globale FinanzkriseSerricchio, Tsakatika, and Quaglia 2012
12.12.2018Europäisierung und WohlfahrtsstaatBaute et al. 2018
19.12.2018Euroskeptizismus und PersönlichkeitTillman 2013
09.01.2019Populismus als EinstellungAkkerman, Mudde, and Zaslove 2014
16.01.2019Euroskeptizismus und MedienberichterstattungLecheler and De Vreese 2010, Hameleers, Bos, and Vreese 2017
23.01.2019EU-support & -scepticism: TypologieDe Vries 2018 ch 4-5
30.01.2019EU-support & -scepticism: KonsequenzenDe Vries 2018 ch 6-7
06.02.2019Öffentliche Meinung und die Zukunft der EUDe Vries 2018 ch 8-9
13.02.2019Abschlussdiskussion

Fazit/Abschlußdiskussion

Ergebnis Abschlußdiskussion

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Worum geht es heute?

  • Rückblick auf die einzelnen Texte
  • Was haben wir auf der Inhalts-Ebene gelernt?
  • Was haben wir auf der Methoden-Ebene gelernt?
  • Welche Meta-Erkenntnise hatten wir?
  • Was hätte man streichen sollen?
  • Was hat gefehlt?
  • Welches sonstige Feedback gibt es?

Gravelle, Reifler, and Scotto 2017: Struktur außenpolitischer Einstellungen

  • Hauptergebnisse?
    • US-Faktoren auch in Europa
    • aber nicht ausreichend – zusätzlicher Faktor
    • Gleiche Struktur in allen Ländern – vergleichbar
  • Kritik?
    • Mehr Länder
    • Fehlladungen
    • ökonomische Dimension /EU
  • Positiv?
    • Zusätzlicher Faktor
    • transatlantische Brücke

Rathbun et al. 2016: Persönlichkeit und außenpolitische Einstellungen

  • Hauptergebnisse?
    • universelle Wirksamkeit Faktoren
    • plus Anbindung an Modell aus Woche vorher
    • Hohe Bildung – mehr Ideologie (keine Überraschung
  • Kritik?
    • Mediatorvariable – Theorie?
    • Wie wichtig ist Persönlichkeit vs Themen
  • Positiv?
    • Persönlichkeit und Außenpolitik

Gabel 1998: EU support und persönlicher Nutzen

  • Hauptergebnisse?
    • Fünf Modelle – Eigennutz zählt
    • Wahrnehmung durch Parteibindung und -unterstützung gefiltert
    • Alte vs neue Mitgliedsstaaten
  • Kritik?
    • Eigenes Modell ist das schönste – wirklich?
    • Methode/Grafik
    • Operationalisierung DV
  • Positiv?
    • Pioniertext / Landmark /
    • Vergleich/Systematik

McLaren 2002: EU support und cultural threat

  • Hauptergebnisse?
    • Replikation Gabel – kulturelle Faktoren
    • Inhaltlich anderes Ergebnis
    • Threat: ökonomisch + kulturell
    • EU-Grenze / Interpretation
  • Kritik?
    • Sehr optimistisches Menschenbild
    • Mechanismus/Interpretation Grenze
  • Positiv?
    • Kulturelle Faktoren – zentral
    • Saubere Replikation
    • Argumentation

Eichenberg and Dalton 2007: Maastricht als Wendepunkt

  • Hauptergebnisse?
    • Rapider Einbruch EU-Unterstützung
    • Weil Entwicklung zu schnell/zu weit
    • Politisierung EU + Konvergenz – persönlicher Bezug (permissive consensus
  • Kritik?
    • Struktur (Theorie+Methoden
    • Präsentation nicht anschaulich + 3D-Histogramme
    • Schwer zugänglich, Herr Dalton
  • Positiv?
    • Thema
    • Langzeitperspektive
    • Wahrnehmung der EU durch Bürger

Lubbers and Coenders 2017: Nationalismus, Euroskeptizismus und Wahlentscheidung

  • Hauptergebnisse?
    • Wahrgenommene Bedrohung + Mißtrauen -> RR
    • + Identität + Nationalstolz + ethnisches Konzept Staatsangehörigkeit (Mc Laren), aber nicht notwendig
  • Kritik?
    • Begrifflichkeit unklar
    • Fehlende Tabellen + Methodenteil schlecht konzipiert
    • Interaktionseffekte auch wieder schiefgelaufen
    • Ergebnisse wenig überraschend
  • Positiv?
    • Gute Theorie + Variablen

Serricchio, Tsakatika, and Quaglia 2012: Euroskeptizismus und die globale Finanzkrise

  • Hauptergebnisse?
    • Kulturelle Faktoren auch in Finanzkrise wichtig + wichtiger
    • Anstieg seit 2007, aber nicht überall gleich (neue Mitglieder + Betroffene
    • trade-off Institutionenvertrauen
  • Kritik?
    • Zu knapp – Operationalisierung
    • DV eindimensional, Probleme Modell (fixed effect
  • Positiv?
    • Aktuelle Daten, attraktive Forschungsfrage

Baute et al. 2018: Europäisierung und Wohlfahrtsstaat

  • Hauptergebnisse?
    • Bürger nicht undifferenziert (Ängste
    • Verlust von Sozialleistungen wg EU (utilitaristisch + ideologisch
  • Kritik?
    • Komplexes Modell, zu viele Hypothesen
    • Angst -> EU-Unterstützung
    • Daten zu alt? Aktuelle Krisen
  • Positiv?
    • Gute Darstellung (Hypothesen im Bild
    • Mehrere Ebenen

Tillman 2013: Euroskeptizismus und Persönlichkeit

  • Hauptergebnisse?
    • Autoritarismus: direkt und indirekt -> EU-Support
    • Indirekt: soziale Identität
    • EU als Identitätsbedrohung
  • Kritik?
    • Operationalisierung ok?
    • DV suggestiv
    • Motivation Strukturgleichungsmodell
  • Positiv?
    • Persönlichkeit relativ unveränderlich
    • Mögliche praktische Konsequenzen

Akkerman, Mudde, and Zaslove 2014: Populismus als Einstellung

  • Hauptergebnisse?
    • Populismus auch auf Einstellungsebene, mit Konsequenzen
    • Abgrenzbar von Elitismus + Pluralismus
  • Kritik?
    • Problematische Items/Ladungen
    • Datenbasis (Panel NL) + viele Items Populismus
  • Positiv?
    • Klare Definition Populismus (dünne Ideologie
    • Unterschiede Links-/Rechtspopulismus (Pluralismus

Lecheler and De Vreese 2010Hameleers, Bos, and Vreese 2017: Euroskeptizismus und Medienberichterstattung

  • Hauptergebnisse?
    • Framingeffekte haben Konsequenzen
    • Besonders stark wenn wenig Wissen
  • Kritik?
    • Wenige Teilnehmer, externe Validität
    • Serbien ungeeignet?
  • Positiv?
    • Experiment
    • Medien

De Vries 2018 ch 4-5: EU-support & -scepticism: Typologie

  • Hauptergebnisse?
    • vier Varianten von Unterstützung/Kritik
    • Proxy-Theorie stimmt nicht mehr
    • Benchmark-Theorie
  • Kritik?
    • Indifferente Supporter?
    • Zuviel Information, mehr Tabellen wagen
    • Populärwissenschaft? Anhang
  • Positiv?
    • Darstellung
    • Cool, dass es das gibt

De Vries 2018 ch 6-7: EU-support & -scepticism: Konsequenzen

  • Hauptergebnisse?
    • Typ Einstellung -> Typ Wahlverhalten
    • Große Teile skeptisch, Probleme für die Zukunft
    • Nationale Bedingungen wichtig (national Zufriedene vs national Unzufriedene
    • Großbritannien als Sonderfall, Brexit nicht überraschend
  • Kritik?
    • Analysen nicht immer nachvollziehbar (Gruppengrößen
  • Positiv?
    • Ergebnisse plausibel + systematisch
    • Vergleich Austrittsbereitschaft (andere Länder

De Vries 2018 ch 8-9: Öffentliche Meinung und die Zukunft der EU

  • Hauptergebnisse?
    • Unterschiedliche Reformpräferenzen
    • Gespaltene Öffentlichkeit
  • Kritik?
    • nicht neutral genug – vielleicht unvermeidbar?
    • zu lang
    • sonst keine Neue
  • Positiv?
    • Aber gut lesbar
    • Politikberatung
    • Übersicht über Typen anschaulich

Was haben wir insgesamt inhaltlich gelernt?

  • Großmutter hatte recht
  • Schwer, EU-Skeptiker zu überzeugen, da grundsätzliche Ablehnung (in manchen Fällen zumindest
  • “Trend not our friend”? EU-Reformen notwendig, aber welche?
  • Instrumente problematisch
  • Einstellungen widersprüchlich -> Framing, “Verkauf”
  • Vernunfteuropäer + Herzensantieuropäer
  • EU weiter Elitenprojekt

Was haben wir auf der Methoden-Ebene gelernt?

  • “Mehr-Ebenen-Strukturgleichungsmodelle sind nicht so kompliziert, wie sie zunächst aussehen”
  • Faktorenanalysen
  • Interaktionen – gut, aber Interpretation auf problematisch
  • Methoden sollten angemessen sein und müssen kritisch betrachtet
  • Auseinandersetzung hilft

Was haben wir auf der Meta-Ebene gelernt?

  • Ist EU-Politik Außenpolitik?
  • Wissenschaft muß kritisch betrachtet werden
    • Unterliegt eigenen Zwängen/Anreizen
    • Fehleranfälligkeit ist Teil des Systems
  • Mehr impact/Einfluß wäre hilfreich für Politik (Interessen

Was hätte man streichen können?

  • Lubbers, Tillman etc.?

Was hat gefehlt?

  • Beziehungen zwischen Teilgebieten
  • Mehr Populismus-Texte

Was sonst (Feedback)?

  • Außenpolitische Einstellungen – gut!
  • Populismus vorziehen
  • Mehr Konzepte/Konstrukte am Anfang
  • Abschlußdiskussion gut

Literatur

Akkerman, Agnes, Cas Mudde, and Andrej Zaslove. 2014. “How Populist Are the People? Measuring Populist Attitudes in Voters.” Comparative Political Studies 47 (9): 1324–53. doi:10.1177/0010414013512600.

Baute, Sharon, Bart Meuleman, Koen Abts, and Marc Swyngedouw. 2018. “European Integration as a Threat to Social Security. Another Source of Euroscepticism?” European Union Politics 19 (2): 209–32. doi:10.1177/1465116517749769.

De Vries, Catherine E. 2018. Euroscepticism and the Future of European Integration. Oxford: Oxford University Press.

Eichenberg, Richard C., and Russell J. Dalton. 2007. “Post-Maastricht Blues: The Transformation of Citizen Support for European Integration, 1973-2004.” Acta Politica 42 (2-3): 128–52. http://dx.doi.org/10.1057/palgrave.ap.5500182.

Gabel, Matthew. 1998. “Public Support for European Integration. an Empirical Test of Five Theories.” Journal of Politics 60: 333–54.

Hameleers, Michael, Linda Bos, and Claes de Vreese. 2017. “Framing Blame: Toward a Better Understanding of the Effects of Populist Communication on Populist Party Preferences.” Journal of Elections, Public Opinion and Parties, online first. doi:10.1080/17457289.2017.1407326.

Lecheler, Sophie, and Claes H. De Vreese. 2010. “Framing Serbia. the Effects of News Framing on Public Support for Eu Enlargement.” European Political Science Review 2 (1): 73–93. doi:10.1017/S1755773909990233.

Lubbers, Marcel, and Marcel Coenders. 2017. “Nationalistic Attitudes and Voting for the Radical Right in Europe.” European Union Politics 18 (1): 98–118. doi:10.1177/1465116516678932.

McLaren, Lauren M. 2002. “Public Support for the European Union: Cost/Benefit Analysis or Perceived Cultural Threat.” The Journal of Politics 64: 551–66.

Rathbun, Brian C., Joshua D. Kertzer, Jason Reifler, Paul Goren, and Thomas J. Scotto. 2016. “Taking Foreign Policy Personally: Personal Values and Foreign Policy Attitudes.” International Studies Quarterly 60 (1): 124–37. doi:10.1093/isq/sqv012.

Scotto, Timothy B. Gravelle And Jason Reifler And Thomas J. 2017. “The Structure of Foreign Policy Attitudes in Transatlantic Perspective. Comparing the United States, United Kingdom, France and Germany.” European Journal of Political Research 56 (4): 757–76. doi:10.1111/1475-6765.12197.

Serricchio, Fabio, Myrto Tsakatika, and Lucia Quaglia. 2012. “Euroscepticism and the Global Financial Crisis*.” JCMS: Journal of Common Market Studies 51 (1): 51–64. doi:10.1111/j.1468-5965.2012.02299.x.

Tillman, Erik R. 2013. “Authoritarianism and Citizen Attitudes Towards European Integration.” European Union Politics 14 (4): 566–89. doi:10.1177/1465116513483182.

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