AUTOR: Kai Arzheimer / Markus Klein

TITEL: Werthaltungen und Staatszielvorstellungen im Ost-West-Vergleich

QUELLE: "Wirklich ein Volk?" Herausgegeben von Jürgen W. Falter, Oscar W. Gabriel und Hans Rattinger, Opladen: Leske+Budrich 2000, S. 363-402

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ABSTRACT:

Ausgangspunkt unserer Analyse war die Frage, in welchem Umfang sich Ost- und Westdeutscher am Ende der 90er Jahre hinsichtlich der von ihnen präferierten gesellschaftspolitischen Werte und Staatsziele unterscheiden. Es zeigte sich, daß gemäß den Erwartungen der Sozialisationshypothese nach wie vor erheblich Ost-West-Differenzen bestehen. Obwohl demokratisch-pluralistische Normen auch in den neuen Ländern weithin akzeptiert werden, sind die demokratischen Werte in Ostdeutschland weniger tief verankert als in den alten Ländern, was in einem gewissen Widerspruch zu früheren Befunden steht. Dramatische Unterschiede bestehen darüber hinaus bei der Bewertung der sozialistischen Idee, die im Osten weiterhin breite Zustimmung findet. Bei multivariater Betrachtung der Querschnittsdaten von 1998 zeigt sich, daß neben der Region, in der die Befragten sozialisiert wurden, auch die Generationenzugehörigkeit und die formale Bildung einen deutlichen Einfluß auf die jeweiligen Wertorientierungen haben. Insbesondere ist über alle untersuchten Wertorientierungen hinweg unter den formal hochgebildeten Angehörigen der jüngsten Generation, die von Claus Leggewie und anderen plakativ als „89er“ bezeichnet wurden, eine fast vollständige Annäherung zwischen Ost und West zu verzeichnen. Darüber hinaus deuten unsere Ergebnisse darauf hin, daß bei der demokratischen Sozialisation der jungen Ostdeutschen mit einer niedrigen formalen Bildung erhebliche Defizite bestehen, die gerade vor dem Hintergrund der hohen Gewaltbereitschaft unter ostdeutschen Jugendlichen als höchst problematisch gelten müssen.

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