AUTOR: Kai Arzheimer
TITEL: Jung, dynamisch, Nichtwähler? Der Einfluß von Lebensalter und Kohortenzugehörigkeit auf die Wahlbereitschaft. In: Edeltraud Roller, Frank Brettschneider und Jan van Deth (Hrsg.): Jugend und Politik: 'Voll Normal'. Der Beitrag der Politischen Soziologie zur Jugendforschung Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften: 317-335
ABSTRACT: Ziel dieses Beitrages ist es zu klären, ob und wie sich die Wahlbeteiligung der „Jugend“ von den Wahlbeteiligungsraten der älteren Bürger unterscheidet. Mit einer Kohortenanalyse der kumulierten ALLBUS-Daten für Westdeutschland kann gezeigt werden, daß ein geringes Lebensalter per se keinen signifikant negativen Einfluss auf die Wahlbeteiligung hat. Entscheidend ist vielmehr die Zugehörigkeit zu den jüngeren Kohorten. Dabei handelt es sich aber um alles andere als um ein neues Phänomen: Die Tendenz zur rückläufigen Wahlbeteiligung ist bereits in den ersten Generationen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, deutlich zu erkennen, und zeigt sich in der Gruppe der von 1954 bis 1964 geborenen ebenso stark wie in allen späteren „Null Bock“-, „No Future“-, „1980er“- und „Wende“-Generationen. Das o generationale Muster bleibt selbst dann erhalten, wenn zusätzlich eine Reihe von Variablen berücksichtigt wird, die einen zentralen Einfluß auf die Wahlbeteiligung haben. Dieser Wandel ist unabhängig von den mit dem Inglehart-Index erhobenen Orientierungen. Die Ausbreitung postmaterialistischer Wertorientierungen in der Bundesrepublik ist also nicht für den relativen Bedeutungsverlust der Wahlbeteiligung als Partizipationsform verantwortlich.