AUTOR: Kai Arzheimer
TITEL: 50 Jahre Wahlen in Rheinland-Pfalz
QUELLE: Sarcinelli, Ulrich et al. (Hrsg): Politische Kultur in Rheinland-Pfalz. Mainz und München: v. Hase & Koehler 2000, S. 229-254
ABSTRACT:
Für die Bundestags- und Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz war seit Gründung
des Landes die starke Stellung der Union charakteristisch. Eine plausible Erklärung
für dieses sehr stabile Muster ist die historisch begründete enge
Bindung zwischen der CDU und der katholischen Bevölkerungsmehrheit, die
bis in die 80er Jahre hinein mehrheitlich für die Union votierte, den Christdemokraten
damit eine relative Mehrheitsposition sicherte und somit für überaus
stabile politische Verhältnisse sorgte. Obwohl sich die konfessionelle
Polarisierung im Lande bis heute nachweisen läßt, wurde die Union
seit dem Ende der 60er Jahre zunehmend auch für protestantische Rheinland-Pfälzer
wählbar. Durch eine Mobilisierung evangelischer Wähler konnte sie
ihre soziale Basis so weit verbreitern, daß sie über einige Legislaturperioden
hinweg die absolute Mehrheit der Stimmen erreichte. Gleichzeitig müssen
sich jedoch die traditionellen Bindungen der katholischen Wähler an ihre
Partei gelockert haben, da aus einer Reihe von Fehlleistungen der
CDU dramatische Verluste resultierten, deren absolutes Ausmaß bislang
durch die sinkende Wahlbeteiligung verdeckt wurden. Unter diesen Umständen
ist davon auszugehen, daß das Wahlverhalten der Rheinland-Pfälzer
in Zukunft weit weniger stabil und berechenbar sein wird als in den vergangenen
Jahrzehnten.