AUTHOR: Kai Arzheimer / Harald Schoen
ABSTRACT: Parteiidentifikation (PI) ist ein zentrales Konzept der politischen Soziologie. Viele Forscher schließen jedoch aus dem empirisch häufig zu beobachtenden Mangel an Stabilität darauf, dass PI nicht die Schlüsselrolle spielen kann, die ihr von der Michigan-Schule zugeschrieben wurde. In diesem Beitrag zeigen wir erstens, dass das Ann-Arbor-Modell nicht von einer perfekten Stabilität der PI ausgeht, sondern sich vielmehr Bedingungen ableiten lassen, die einen systematischen Einfluss auf die PI haben. Zweitens argumentieren wir, dass es sich bei der PI um eine latente Variable handelt, deren tatsächliche Stabilität massiv unterschätzt wird, wenn man den Einfluss zufälliger Messfehler nicht berücksichtigt. Mit Hilfe einer Latent Transition Analysis der SOEP Daten können wir zeigen, dass a) die PI der Anhänger der großen Parteien sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland in hohem Maße stabil ist, b) dass diese Stabilität mit dem Grad des politischen Interesses variiert, und dass c) die Stabilität der PI seit Mitte der 1980er Jahre nicht zurückgegangen ist.